SCHULPIONIERE IM DYNAMISCHEN SITZEN

SCHULPIONIERE IM DYNAMISCHEN SITZEN

Seit Herbst gibt es was das Schulbankdrücken angeht am Bildungszentrum Niedernhall eine Innovation: den Sitz-Steh-Tisch. An diesem Schulmöbel können die Schülerinnen und Schüler aller 5. und 6. Klassen wie gewohnt sitzen. Man kann den Tisch aber mit einem einzigen Handgriff zum Stehpult umwandeln. Ergänzt wird dies durch höhenverstellbare Hocker, die dynamisches Sitzen möglich machen

Damit das Konzept breite Akzeptanz erfährt, lud Rektor Jochen Scheufler den Hochschuldozenten Dr. Robert Rupp von der PH Heidelberg ein, der  dort für Prävention Bewegungs-und Gesundheitsförderung zuständig ist. Vor allem ist er aber Experte für seditäres Verhalten, also für alle Fragen rund ums Sitzen.

„Sie leisten hier in Niedernhall Pionierarbeit“, bescheinigt Rupp der Schule, denn obwohl es hinlänglich bekannt ist, dass zu langes Sitzen gesundheitsschädlich ist, wird in Deutschland nur sehr wenig dagegen unternommen. Die Liste der Krankheitsbilder ist lang: Diabetes 2, Krebs, Herz- Kreislaufleiden und Depression sind nur einige, die bei zu langem Sitzen häufiger auftreten. Dabei ist das lange Sitzen am Stück der entscheidende, gefährliche Faktor. Spätestens alle halbe Stunde, so Rupp, müsse man für ein paar Minuten aufstehen oder herumlaufen. Bereits im Stehen verbrennt der Körper dreimal so viel Kalorien wie im Sitzen. Rupp und sein Team fanden heraus, dass 4- 20-Jährige im Schnitt 10,6 Stunden am Tag sitzen.  Oft nehmen wir das Sitzen gar nicht war, da es anderen Tätigkeiten wie Auto fahren oder Essen untergeordnet ist. Ein besonderer Einschnitt ist hier der Eintritt in die Schule, wo die „Sitzkarriere“ sich jährlich erhöht. Dies möchte man am BZ Niedernhall verhindern und setzt so auf neue Methoden, die mehr Aktivität im Unterricht ermöglichen. Neben dem Stehen stellte Rupp einige didaktische Tricks vor, sodass die Schüler in Bewegung geraten.

Natürlich verläuft diese Umstellung nicht reibungslos. Kinder sind es gewohnt im Unterricht zu sitzen. Doch nach einer Eingewöhnungsphase, bescheinigt der Hochschuldozent, gebe es keine Anzeichen von Minderung der Lernleistung. Im Gegenteil die Konzentrationsfähigkeit steige sogar an. Ganz nach den Aussagen des führenden Sitzforschers James Levine aus den USA: „Ein stillgelegter Körper erzeugt einen trägen Geist.“

 

A. Kranich